„Ich habe euch nichts zu geben ausser meiner Liebe.“
Zum Gedenken an Sant Kirpal Singh, der als spiritueller Meister des Sant Mat weltweit große Achtung und Anerkennung fand, auch von den Oberhäuptern der Religionsgemeinschaften.
Biographie
Kirpal Singh wurde am 6. Februar 1894 in Sayyad Kasran, Punjab/Indien, geboren.
1910 schloss er die High School ab und heiratete im gleichen Jahr Krishna Wanti. Die beiden hatten später drei Kinder. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie verdiente Kirpal Singh als ziviler Angestellter bei der indischen Armee. Bis zu seiner Pensionierung 1947 hatte er 36 Jahre lang gearbeitet und war zuletzt als Zahlmeister tätig. Seine Lebensweise brachte ihm die Hochachtung der ihn umgebenden Menschen ein, sowohl seiner indischen Mitarbeiter als auch seiner britischen Vorgesetzten.
Neben diesen weltlichen Aspekten gibt es auch einige besondere Daten in Bezug auf das spirituelle Leben von Kirpal Singh.
Persönliche Eindrücke bei einer Bestattung im Jahre 1912 gaben seiner bisherigen Suche nach Gott noch mehr Gewichtung, und Kirpal Singh lebte seitdem nach seinem Leitsatz: Zuerst Gott, dann die Welt!
Er meditierte und suchte viele Sufis und Yogis auf, aber er lehnte es ab, einen von ihnen zu seinem Guru zu machen, bis er nicht den Beweis von dessen Kompetenz hätte.
Seit dem Jahre 1917 sah Kirpal Singh in seinen Meditationen einen weißbärtigen Mann, den er nicht kannte, aber von dem er annahm, es sei Guru Nanak. Sieben Jahre lang hatte Kirpal Singh solche Erfahrungen, dann, bei einem Besuch am Beas-Fluss 1924, traf er genau diesen weißbärtigen Mann in einem Ashram. Der Mann war Baba Sawan Singh, der kompetente Meister des Sant Mat zu jener Zeit.
Am folgenden Tag bat Kirpal Singh um die Initiation.
Von da an widmete er sein Leben dem Weg des Sant Mat. Vierundzwanzig Jahre diente er neben seinen weltlichen Verpflichtungen seinem Meister. Unter anderem schrieb Kirpal Singh in den dreißiger Jahren im Auftrag seines Meisters den ’Gurmat Siddhant’ und hielt Satsangs. 1939 initiierte er im Beisein seines Meisters über 200 Menschen. Auch in den folgenden Jahren hielt Kirpal Singh regelmäßig Satsang in Lahore und Amritsar.
Als Baba Sawan Singh am 2. April 1948 diese Welt verlassen hatte, zog sich Kirpal Singh zur intensiven Meditation für fünf Monate in den Himalaya zurück. Er wusste seit einem Gespräch mit Baba Sawan Singh im Oktober 1947, dass er die Aufgabe seines Meisters werde übernehmen müssen. In den folgenden 26 Jahren diente Sant Kirpal Singh den Menschen als spiritueller Lehrer und Meister des Sant Mat. Am 21. August 1974 verließ Sant Kirpal Singh seinen physischen Körper.
Das Wirken des spirituellen Meisters
Vorträge und Reisen
Sich selbst erkennen und Gott zu finden ist der Sinn des Lebens und Anrecht eines jeden Menschen. Die praktische Hilfe eines kompetenten lebenden Meisters ist dabei von größter Wichtigkeit. Fast täglich hielt Sant Kirpal Singh Satsang, spirituelle Vorträge mit anschließender gemeinsamer Meditation, und gab die Einführung in die Meditation auf das innere Licht und den inneren Ton. Dazu reiste er viel innerhalb Indiens, und damit allen Menschen der Welt die Hilfe des Meisters zur Verfügung stand unternahm Sant Kirpal Singh drei große Weltreisen:
1955 erste Weltreise in die USA und nach Europa
1963 zweite Weltreise nach Europa, USA, Südamerika und Asien. Auf dieser Reise besuchte er
als Präsident der „Welt-Religions-Konferenzen“ viele weltliche und geistliche Führer, so auch
Papst Paul VI.
1972 dritte Weltreise
Weltreligionskonferenzen „Unity of Man“
Sant Kirpal Singh sah die Entwicklung der Menschheit und stellte fest, dass die Bruderschaft der Menschen unter der Vaterschaft Gottes zur Verwirklichung neue Impulse benötigte. Zumindest die Oberhäupter und Priester der verschiedenen Religionsgemeinschaften sollten die gemeinsamen Werte erkennen und das spirituelle Leben und Zusammenleben der Menschen fördern. Dazu lud er alle namhaften religiösen Oberhäupter zu den Weltreligionskonferenzen ein. Sie kamen alle persönlich oder sandten namhafte Vertreter, und Sant Kirpal Singh wurde jedes Mal einstimmig zum Präsidenten gewählt.
Mit großem Aufwand und auch unter Teilnahme politischer Vertreter fanden in den Jahren 1957 in Delhi, 1960 in Kalkutta, 1965 und 1970 in Delhi diese Veranstaltungen statt.
Für seine Verdienste um die Förderung der Religion und des Friedens erhielt Sant Kirpal Singh 1962 als erster Nichtchrist den Orden von St. Johannes von Jerusalem (besser bekannt als Malteserorden) verliehen.
Vieles konnte Sant Kirpal Singh durch die Weltreligionskonferenzen bewegen, zum Beispiel mehr Verständnis für die gegenwärtigen Standpunkte schaffen und der Religionsfreiheit größere Bedeutung verleihen.
In einem wesentlichen Punkt war demnach ein Fortschritt erzielt worden: Die gemeinsame Plattform zu stabilisieren und gemeinsame praktische Zusammenarbeit für das spirituelle Wohl der Menschen zu erreichen. Nach dem Tod von Sant Kirpal Singh verlor diese Plattform zunehmend an Bedeutung durch das Wiedererstarken der egoistischen Sichtweise der religiösen Gemeinschaften und des Alleinanspruchs ihrer Erlösungstheorien.
Manav Kendra Zentren der Menschwerdung
Damit die Menschen, die sich für den spirituellen Lebensweg von Sant Mat entschieden hatten oder daran Interesse zeigten, auch vertiefende praktische Erfahrungen außerhalb ihres hektischen Alltagslebens sammeln konnten, beschloss Sant Kirpal Singh dafür geeignete Einrichtungen zu gründen. Die Manav Kendras -wie er diese Zentren nannte-, sollten als Orte der inneren Einkehr, der Meditation auf das innere Licht und den inneren Ton dienen. Aber auch das äußere Leben sollte eine entsprechende Ausrichtung finden auf dem spirituellen Weg. So waren die Manav Kendras Zentren der Menschwerdung, aber auch Orte, an denen man Landwirtschaft betrieb und Bibliotheken zum Studium der religiösen Literatur unterhielt. Sie beherbergten Altenheime und Schulen mit spiritueller Ausrichtung und wurden von der unentgeltlichen Mitarbeit der Besucher und von Spenden getragen. Dieser selbstlose Dienst und das Üben einer ethisch reinen Lebensweise war neben der praktischen Meditation ein Programm, das dem Besucher zur Gewohnheit werden sollte in seinem Alltagsleben zu Hause.
So entstanden in Indien
1951 der Sawan Ashram in Delhi
1970 das Manav Kendra in Dehra Dun
1974 das Manav Kendra in Kandhari/Baroda
Veröffentlichungen Wissenschaft der Seele
Sant Kirpal Singh schrieb eine große Zahl von Büchern in englischer Sprache (Titel der deutschen Übersetzung in Klammern):
1959 The Jap Ji: The Message of Guru Nanak
(Das Jap Ji)
1959 Prayer: Its Nature and Technique
(Das Gebet: Sein Wesen und seine Methode)
1959 Spirituality: What it is
(Was ist Spiritualität ?)
1960 Naam or Word
(Naam oder das Wort)
1960 A Great Saint Baba Jaimal Singh
(Leben und Lehren eines großen Heiligen Baba Jaimal Singh)
1961 The Crown of Life: A Study of Yoga
(Die Krone des Lebens: Die Yogalehren)
1965 The Wheel of Life
(Das Rad des Lebens)
1967 Godman
(Gottmensch)
1968 Mystery of Death
(Mysterium des Todes)
Darüber hinaus schrieb Sant Kirpal Singh Aufsätze zu spirituellen Themen und Rundbriefe an seine Schüler, in denen er in allgemein verständlicher Weise die Grundzüge von Sant Mat darlegte. Diese Briefe und zusätzliche Niederschriften von spirituellen Vorträgen Sant Kirpal Singhs wurden ebenfalls zu Büchern zusammengefasst:
1967 Spiritual Elixir
(Spirituelles Elixier)
1970 Morning Talks
(Morgengespräche)
1975- 1976 The Teachings of Sant Kirpal Singh
(Die Lehren Kirpal Singhs
Band 1: Der heilige Pfad
Band 2: Selbstprüfung und Meditation
Band 3: Das neue Leben)
Zum Ende seines umfangreichen Lebenswerkes hatte Sant Kirpal Singh ca. 600.000 Schüler in aller Welt, vorwiegend jedoch in Indien.
Am 21. August 1974 verließ Sant Kirpal Singh die irdische Ebene.
Nachfolge
Wie viele Meister vor ihm hat Sant Kirpal Singh offiziell keinen Nachfolger verkündet.
34 Personen, Schüler von Sant Kirpal Singh und auch zwei Schüler von Baba Sawan Singh beanspruchten für sich spiritueller Nachfolger zu sein. Nach wenigen Jahren verblieben noch fünf Personen, die ernsthaft bemüht waren die Mission von Sant Kirpal Singh weiterzuführen. Unter ihnen auch Sant Thakar Singh.
Im Mai 1974 hatte Sant Kirpal Singh seinem ergebenen Schüler Thakar Singh aufgetragen, sich vom Geschehen der Welt zurückzuziehen und seine Zeit ausschließlich der Meditation zu widmen, was dieser bis zum November 1975 auch tat. Thakar Singh hielt bereits seit vielen Jahren im Auftrag von Sant Kirpal Singh an vielen Orten in Indien Satsang. Damit fuhr er nun fort und vermittelte vielen spirituellen Suchern die Einführung in die Meditation auf das innere Licht und den inneren Ton, die Initiation in den Weg des Sant Mat.
Am 6. Februar 1976 hielt Sant Thakar Singh im Ashram seines Meister in Delhi einen großen öffentlichen Satsang mit anschließender Initiation. Alle, die an der Einführung in das Mysterium des Erwachens der Seele teilnahmen, hatten eindeutige erhebende innere Erfahrungen des feinstofflichen Lichts und hörten die Musik der Sphären und viele erlebten im Inneren eine Begegnung mit den Meistern Baba Sawan Singh, Sant Kirpal Singh und Sant Thakar Singh.
Heute hat Sant Thakar Singh in Indien weit über eine Million Schüler und seine Schüler betreiben mehrere hundert Ashrams im ganzen Land. Er ist heute der kompetente lebende Meister des Sant Mat.
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